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Alles Tomate

15.12.2014 | Text: Lucie Maluck | Bilder: Robert Hack

Blockheizkraftwerk, Gewächshaus

Tomatenpflanzen – so weit das Auge reicht. Da fühlt man sich doch gleich wieder wie mitten im Sommer, auch wenn es draußen kalt und regnerisch ist. Doch im Gewächshaus von Heiko Hagdorn herrscht das ganze Jahr über Sommer. Hier sorgt die Abwärme eines Blockheizkraftwerks von MTU Onsite Energy dafür, dass es immer 22 Grad warm ist – die ideale Temperatur für den Anbau von Tomaten.

Gehören Sie auch zu den Menschen, die es im Sommer nicht abwarten können, die ersten eigenen Tomaten zu ernten? Der Stolz, die leuchtend rote Frucht in den Händen zu halten, gehört zu den Höhepunkten im Jahr eines jeden Hobbygärtners. Heiko Hagdorn hat diese Freude schon im März. Dann erntet er in seinem Gewächshaus die ersten Tomaten. Und nicht nur eine oder zwei, sondern Hunderte Kilo am Tag.

Heiko Hagdorn ist aber auch kein Hobbygärtner, sondern der Inhaber eines der größten Gemüseanbauunternehmens in Süddeutschland. Seine Rispen-, Snack- und Cocktailtomaten verkauft er über den Gemüsering Stuttgart an die Handelskette Edeka. „Und die schmecken“, ist er sich sicher. Warum? „Weil wir unsere Tomaten an der Pflanze lassen, bis sie reif sind und nicht schon im grünen Zustand ernten und dann auf dem Transportweg nachreifen lassen“, erklärt er. So sind die Tomaten aromatisch und frisch, wenn sie beim Kunden in den Salat, in die Suppe oder einfach so auf den Esstisch kommen.

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Heiko Hagdorn ist Tomaten-Fan und hatte im Jahr 2008 die Idee, aus der ehemaligen Freilandgärtnerei seiner Eltern ein Tomatengewächshaus zu machen.

Fast alles ist Handarbeit
Dafür arbeitet er mit seinem Team hart. Fast alles in seinem riesigen Gewächshaus, in dem eine Fußballmannschaft locker trainieren könnte, ist Handarbeit. „Das Pflücken ist dabei das wenigste“, erzählt er. Und tatsächlich müssen die Kulturen – so nennt er die Pflanzen – ständig gepflegt werden. Im Januar pflanzt er sie ein, und zwar nicht wie der Hobbygärtner in den Boden, sondern auf eine Kokosmatte in einem Meter Höhe. 20 bis 25 Zentimeter wachsen die Pflanzen dann pro Woche. Das ist deutlich mehr als die Gartentomate des Hobbygärtners. Heiko Hagdorn kann seinen Tomaten aber auch die perfekten Wachstumsbedingungen bieten. Die Pflanzen werden tröpfchenweise bewässert. Und das auch nicht mit Regenwasser und rund um die Uhr, sondern mit einem extra mit Nährstoffen angereicherten Wasser in der Zeit von 9 bis 16 Uhr. „Danach sind die Pflanzen satt“, sagt er.  Und auch die Temperatur im Gewächshaus ist sehr wachstumsfreundlich: Tagsüber sind es angenehme 22 Grad, nachts wird die Temperatur auf 15 Grad gesenkt. Unter diesen perfekten Bedingungen entwickeln die Pflanzen schon nach wenigen Wochen die ersten Blüten. Bei den großen Rispentomaten werden dann an jeder Rispe so viele Blüten abgeknipst, dass am Ende noch fünf Tomaten an einer Rispe wachsen. „Die Tomaten reifen leider nicht gleichmäßig. Erst reifen die, die der Pflanze am nächsten sind. Würden wir alle Blüten zu Tomaten reifen lassen, wären die ersten Tomaten schon überreif und die letzten noch immer grün“, erläutert der Tomaten-Profi. Und während er das sagt, schwirrt eine Hummel an seinem Gesicht vorbei. Die sei dafür zuständig, die Blüten zu bestäuben – wie beim Hobbygärtner im Garten. Nur muss der darauf warten, dass die Hummeln aus der Natur zu den Pflanzen kommen. Heiko Hagdorn bestellt die Hummeln im Großhandel: Im Karton kommen sie dann mit der Post zu ihm ins Gewächshaus.

Lehrmeister aus Holland
Heiko Hagdorn ist nicht nur Tomaten-Profi, sondern ein großer Tomaten-Fan. „Ich finde Tomaten schön“, antwortet er auf die Frage, warum er ausgerechnet Tomaten anbaut. Seine Großeltern betrieben auf dem Gelände des heutigen Gewächshauses noch Landwirtschaft und hielten Vieh. Später züchteten seine Eltern im Freiland Gemüse. Doch das Geschäft war hart und bald nicht mehr rentabel. Heike Hagdorn wollte den Betrieb seiner Eltern aber nicht aufgeben und suchte nach neuen Möglichkeiten. Er ging in die Niederlande – in das Land der Gemüseanbauweltmeister. Dort ließ er sich in die Geheimnisse der Tomatenzucht einweihen und entschloss sich im Jahr 2008, selbst in das Geschäft einzusteigen. „Nur sechs bis sieben Prozent der Tomaten, die in Deutschland verzehrt werden, werden auch hier angebaut, da ist also noch viel Potenzial“, begründet er seine Entscheidung für die rote Frucht. Und mit dieser Begeisterung steckte er auch seine Familie an: Mutter Pia und Vater Helmut helfen im Gewächshaus, Ehefrau Karin organisiert die Arbeitskräfte. Und Heiko Hagdorns Lehrmeister aus Holland kommt einmal in der Woche vorbei, um die Familie bei der Pflege der Tomatenkulturen zu beraten.

Blockheizkraftwerk produziert nachhaltig Energie

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1.523 Kilowatt elektrische und 1.507 Kilowatt thermische Energie
produziert das Blockheizkraftwerk von MTU Onsite Energy.
Die elektrische Energie speisen die Hagdorns ins öffentliche Stromnetz ein.
Die thermische Energie wird in einem Wärmepuffer gespeichert.

Zusammen bilden sie ein Unternehmen, das gut funktioniert und sich immer weiterentwickelt. So entschloss sich die Familie im Jahr 2014 mit einem Blockheizkraftwerk (BHKW) selber Energie für das Gewächshaus zu erzeugen. „Das ist einfach nachhaltig“, begründet Heiko Hagdorn die Anschaffung. Das 12V 4000 GS-Aggregat von MTU Onsite Energy liefert 1.523 Kilowatt elektrische und 1.507 Kilowatt thermische Energie. Wichtig für die Hagdorns ist vor allem die Wärmeenergie, mit der sie das Gewächshaus heizen. Die wird aber nicht jeden Tag benötigt, sondern vor allem an bewölkten oder kälteren Tagen. Daher hat die Familie einen Wärmespeicher errichtet, in dem sie die Wärmeenergie des BHKWs verwahren. Somit steht sie auf Abruf immer dann bereit, wenn die Temperatur im Gewächshaus zu weit sinkt. Und was passiert mit der elektrischen Energie? „Die speisen wir ins öffentliche Stromnetz ein“, erklärt Heiko Hagdorn. Allerdings läuft das Blockheizkraftwerk nicht durchgängig, sondern immer nur dann, wenn sein Energieversorger gerade Strom benötigt. Denn nach dem Abschalten zahlreicher Atomkraftwerke und der Zunahme regenerativer Energiequellen ist die Energieversorgung in Deutschland volatiler als bisher: Weht an der Küste ein frischer Wind und scheint im ganzen Land die Sonne, laufen die regenerativen Energiequellen auf Hochtouren und Strom ist im Überfluss vorhanden. Ist aber an der Nordsee Flaute und Wolken trüben den Himmel, müssen die Energieversorger auf kleinere, dezentrale Kraftwerke wie auf das Blockheizkraftwerk von Heiko Hagdorn zurückgreifen. Über eine Schnittstelle zum BHKW der Hagdorns schaltet der Energieversorger das Blockheizkraftwerk an und ruft den Strom ab. „Da wir hier sehr flexibel sind, profitieren wir von besseren Vergütungsmodellen. Wir gehen davon aus, dass sich das BHKW in fünf bis sechs Jahren amortisiert hat, auch wenn es im Jahr nur etwa 3.000 Stunden läuft“, so Heiko Hagdorn. Doch nicht nur die Energie nutzen die Hagdorns in ihrem Gewächshaus. Auch die CO2 -Emissionen kommen dem Wachstum der Pflanzen zugute. Dafür wird das CO2 gereinigt und später genutzt, um die Pflanzen zu düngen.

„Es gibt viele Tricks und Kniffe, die man im Laufe der Zeit lernt“, erzählt Heiko Hagdorn. So ist er in den vergangenen Jahren vom Tomaten-Fan zum Züchter und jetzt auch zum Energiehändler geworden. Damit ist er den meisten Hobbygärtnern ein paar Schritte voraus. Doch eins verbindet ihn noch immer mit ihnen: Die Freude und die leuchtenden Augen, wenn er die ersten saftigen roten Tomaten erntet.

Der Inhalt der Beiträge entspricht dem Stand zum jeweiligen Erscheinungsdatum. Sie werden nicht aktualisiert. Weitergehende Entwicklungen sind deshalb nicht berücksichtigt.

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