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Das lö(h)nt sich

30.11.2011 | Text: Katrin Beck | Bilder: Alexander Fischer

Blockkeizkraftwerk, Bauernhof

Die Biogas-Motoren von MTU Onsite Energy stoßen in eine neue Leistungsklasse vor. Bisher waren vor allem die kleineren MTU-Motoren mit einer Leistung bis zu 420 Kilowatt im Biogas-Geschäft aktiv. Jetzt steigt der große, leistungsstärkere Motor der Baureihe 4000 ein. Als Diesel- oder Erdgasmotor gibt es ihn schon lange auf dem Markt. Als Biogasmotor ist er erst seit März 2011 erhältlich. Und während die kleinen Motoren maximal 420 Kilowatt Leistung erbringen, schafft der neue Motor der Baureihe 4000 über zwei Megawatt. In einer Biogas-Anlage in Löningen hat ein Vorserienmodell des Typs 12V 4000 in 7.500 Stunden Laufzeit einen einjährigen Probebetrieb absolviert – und bestanden. Als Grundlast-Motor versorgt er nun die Biogas-Anlage und öffentliche Gebäude in der niedersächsischen Kleinstadt Löningen mit Wärme – das lohnt, oder löhnt sich.

1,6 Megawatt leistet der Biogas-Motor des Typs 16V 4000. Das nächst größere Modell, die 20V-Version, schafft bis zu zwei Megawatt. Damit stößt MTU Onsite Energy in eine neue Leistungsklasse vor.?
1,6 Megawatt leistet der Biogas-Motor des Typs 16V 4000. Das nächst
größere Modell, die 20V-Version, schafft bis zu zwei Megawatt.
Damit stößt MTU Onsite Energy in eine neue Leistungsklasse vor.

Eigentlich ist Löningen eine ganz normale Kleinstadt in Niedersachsen. Zwischen Oldenburg und Osnabrück, 40 Kilometer entfernt von der niederländischen Grenze, läuft das Leben beschaulich. Im Sommer zieht es Touristen zum Radeln, Kanu fahren oder Reiten in das Hasetal, der Stadtkern lädt Einheimische und Touristen zum Bummeln ein und die Landwirtschaft ringsum hat einen hohen Stellenwert. Hier bauen die Gebrüder Reinhard und Hermann Groß auf etwa 1.800 Hektar Ackerfläche Mais und Getreide an. Den Großteil der Ernte verkaufen sie, den restlichen Ertrag nutzen sie für ihre Biogasanlage. Sie wird täglich mit nachwachsenden Rohstoffen, wie Mais und Getreide, Gülle und Mist befüllt, die dann zu Biogas vergären.

Soweit, so gut – das ganz normale Landleben. Biogasanlagen sind ja gerade in ländlichen Regionen nichts Ungewöhnliches mehr. Trotzdem hat die Löninger Biogasanlage etwas, was all die anderen Anlagen nicht haben: Den neuen 4000er-Biogasmotor von MTU Onsite Energy. Damit versorgen die Gebrüder Groß einen Großteil der Kleinstadt mit Wärme. „Die Biogas-Anlage ist ein echter Glücksfall für Löningen. Sie macht aus der Stadt etwas Besonderes“, erzählt Bürgermeister Thomas Städtler. Denn wenn das neue Fernwärmekonzept der Stadt abgeschlossen ist, werden die meisten öffentlichen Gebäude mit Wärme von den Gebrüdern Groß versorgt. Damit ist Löningen eine Besonderheit in Niedersachsen. „Hier im Nordwesten Deutschlands kenne ich kein vergleichbares Projekt“, sagt Städtler.

Die nachwachsenden Rohstoffe erzeugen die Brüder Groß auf dem eigenen Bauernhof.?
Die nachwachsenden Rohstoffe erzeugen die Brüder Groß auf dem
eigenen Bauernhof.

Weniger Motoren, mehr Leistung
Angefangen hat alles im Jahr 2001. Da sie mit landwirtschaftlichen Produkten immer weniger Geld verdienten, suchten die Brüder Groß ihr Glückin der Energiegewinnung mit einem Biogas-Blockheizkraftwerk. Sie riefen die Groß-Förster-Bio-Energie Hasetal ins Leben und stellten Wilfried Förster als Geschäftsführer ein. Bis zum Jahr 2008 betrieben sie ihr Blockheizkraftwerk mit zehn Zündstrahlmotoren, die je 80 Kilowatt Leistung hatten. Das reichte, um ihren Hof und die Biogas-Anlage mit Strom und Wärme zu versorgen. Den übrigen Strom speisten sie in das öffentliche Netz ein, die Abwärme beheizt ein Schulzentrum mit drei Schulen, ein Hallenbad und eine Veranstaltungshalle in Löningen. Da ihnen aber die Wartungs- und Instandhaltungskosten für zehn Motoren zuviel wurden, überarbeitete die GF-Bioenergie Hasetal ihr Konzept.

Die guten Erfahrungen mit MTU Onsite Energy bei den kleinen 400er-Motoren waren ausschlaggebend, gemeinsam nach neuen Lösungen zu suchen.Reinhard Gross, Betreiber der Biogasanlage

Im Jahr 2008 stieg sie auf drei Blockheizkraftwerk-Module von MTU Onsite Energy um. Ab diesem Zeitpunkt sorgten nur noch drei Motoren der Baureihe 400 mit jeweils 350 Kilowatt elektrischer Leistung für Strom und Wärme.

Die Brüder Reinhard und Hermann Groß betreiben die Löninger Biogasanlage.?
Die Brüder Reinhard und Hermann Groß betreiben die Löninger
Biogasanlage.

Das Vorserienmodell lief 7.500 Stunden
Doch auch auf diesem Konzept ruhen sich die Betreiber nicht aus. Ihr Plan für die Zukunft: Ein großer Motor, der die Grundlast trägt und einige kleinere, die die Spitzenlasten ausgleichen. „Die guten Erfahrungen mit MTU Onsite Energy bei den kleinen 400er-Motoren waren ausschlaggebend, gemeinsam nach neuen Lösungen zu suchen“, so Reinhard Groß. Und MTU Onsite Energy machte ein besonderes Angebot: ein Vorserienmodell des neuen Biogas-Motors der Baureihe 4000. „Am Anfang waren die Zweifel groß, ob das die richtige Entscheidung war. Ein Vorserienmodell, mit dem noch keiner Erfahrung sammeln konnte, war sicherlich ein Risiko“, bekennt Reinhard Groß. Trotzdem blieb das Team um die Brüder und den Ingenieur Wilfried Förster bei seiner Entscheidung – und hat es bis heute nicht bereut. Sie bauten eine neue Maschinenhalle und im Jahr 2009 installierten Ingenieure von MTU Onsite Energy das BHKW mit dem neuen12-Zylinder Biogas-Motor. Jetzt müssen sie in ihrer Halle nur noch einen Motor warten und sparen zusätzlich Platz. Denn mit einer elektrischen Leistung von 1.166 Kilowatt und mehr als1.300 Kilowatt thermischer Leistung ersetzt dieser Motor drei der kleinen 400er-Maschinen. Von Oktober 2009 bis Oktober 2010 lief der Biogas-Motor mehr als 7.500 Stunden im Probebetrieb. Das Fazit der drei: „Nicht alles war optimal, aber wenn man den monatlichen Durchschnitt aus Laufzeiten und Stillstand betrachtet, ist der Motor fast 90 Prozent gelaufen“, resümiert Wilfried Förster. „Das ist schon mehr als wir erwartet hatten“, ergänzt Hermann Groß.

Löningen bekommt mehr Wärme
Dass ihr Konzept Früchte tragen würde, davon waren die Brüder Groß überzeugt. Denn schon vor der Suche nach einem großen Motor beschlossen sie gemeinsam mit ihrem Geschäftsführer Wilfried Förster und Bürgermeister Städtler, dass die bereits bestehenden 400er-Motorenals Satelliten-BHKWs ausgelagert werden sollten. Für das neue Fernwärmekonzept der Stadt Löningen werden sie seit Oktober 2010 in der Nähe von öffentlichen Gebäuden aufgebaut, um verbrauchernah Strom und Wärme zu erzeugen. Das nötige Biogas aus der Anlage kommt über neu gebaute Pipelines zu den Satelliten-BHKWs. So geht weniger Wärme auf dem Transport verloren. Und noch besser: Mit dem neuen Fernwärmesystem brauchen die Löninger weniger Gas zum Heizen und sparen pro Jahr 1.255 Tonnen Kohlendioxid ein. Um mehr Leistung zu erzeugen,werden drei weitere 400er-Motoren in Satelliten-Blockheizkraftwerke eingebaut. „So können wir jeden einzelnen Motor nach Bedarf dazuschalten und Strom und Wärme immer ausreichend garantieren“, erklärt Förster das Konzept. In Zukunft werden drei weitere Schulen, eine Turnhalle, das Krankenhaus, das Altenheim sowie eine Gärtnerei, zwei Banken, das Rathaus und das Freibad versorgt. Und damit sind sie noch nicht vollständig ausgelastet.

Ein MTU Onsite Energy-Monteur bringt den Gemischkühler an einen Biogasmotor an.?
Ein MTU Onsite Energy-Monteur bringt den Gemischkühler an
einen Biogasmotor an.

Da sie Schadensersatz zahlen müssten, wenn sie keine Wärme liefern, und die Betreiber einen defekten Motor nicht selbst reparieren wollen, war ihnen von Anfang an eines wichtig: „Wir brauchen einen zuverlässigen Partner, der sich um Probleme kümmert und sie löst. Den haben wir in MTU Onsite Energy gefunden“, sagt Reinhard Groß. Die robuste Bauweise und die defensive Motorabstimmung des neuen Biogas-Motors ermöglichen langfristigen und störungsarmen Betrieb. So steht der Motor nur äußerst selten still. Die Generalüberholung des Grundmotors ist erst nach etwa 64.000 Betriebsstunden geplant. Das sind über sieben Jahre, wenn der Motor 24 Stunden am Tag läuft.

Wir brauchen einen zuverlässigen Partner, der sich um Probleme kümmert und sie löst. Den haben wir in MTU Onsite Energy gefunden.Reinhard Gross, Betreiber der Biogasanlage

Vorteile für alle Seiten
Sowohl die GF-Bio-Energie Hasetal als auch die Stadt Löningen profitieren von dieser geschäftlichen Beziehung. Der Betrieb bekommt wegen des deutschen Strom-Einspeisegesetzes (EEG) die Stromvergütung für den eingespeisten Strom. Die Stadt Löningen, das Krankenhaus und weitere Interessenten bekommen die Abwärme und sparen Ausgaben für das Heizen. Die Umwelt profitiert ebenfalls: Die Betreiber haben ihren 4000er-Motor mit einem Katalysator nachgerüstet, der den Formaldehydausstoß senkt. Weiter in die Biogas-Anlage mit ihren Blockheizkraftwerken investieren will die GF-Bio-Energie Hasetal nur dann, wenn sie neue Abnehmer für die Wärme haben. „Uns ist ein bewusster Umgang mit nachwachsenden Rohstoffen, wie Mais und Getreide sehr wichtig. Deshalb werden wir nur dann ausbauen, wenn der Bedarf da ist“, erklärt Wilfried Förster. Solange sie aber nicht mehr benötigen, werden sie das meiste, was sie jetzt im Frühjahr wieder anbauen, weiterhin verkaufen. Der Rest kommt in die Biogas-Anlage. Denn die Rohstoffe, um Biogas zu erzeugen haben sie selber gesät, versorgt und geerntet.

60 Tonnen nachwachsende Rohstoffe, 60 Tonnen Gülle und zehn Tonnen Mist vergären täglich in der Biogasanlage.?
60 Tonnen nachwachsende Rohstoffe, 60 Tonnen Gülle und zehn
Tonnen Mist vergären täglich in der Biogasanlage.

Der Inhalt der Beiträge entspricht dem Stand zum jeweiligen Erscheinungsdatum. Sie werden nicht aktualisiert. Weitergehende Entwicklungen sind deshalb nicht berücksichtigt.

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