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Hochhäuser und Teehäuser

18.08.2016 | Text: Christiane Kühl | Bilder: Christiane Kühl, Fotolia LCC, iStock Foto

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Städtetrip gefällig? Dann ist Shanghai eine gute Wahl. Die chinesische Metropole ist eine faszinierende Mischung aus Tradition und Moderne. Alte Teehäuser stehen hier in unmittelbarer Nachbarschaft zu modernen Hochhäusern. In einem der modernsten sorgt ein Blockheizkraftwerk von MTU Onsite Energy für Strom, Wärme und Kälte. Und Notstromaggregate von MTU Onsite Energy sorgen in Shanghai an vielen Stellen dafür, dass die Lichter nie ausgehen.

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In Shanghai trifft Tradition auf Moderne:
Im Vordergrund ein altes Teehaus, im Hintergrund der gewaltige
Shanghai Tower.

Ab und zu ertönt ein lautes Tuten. Ein steter Strom aus Frachtern, Kähnen, Schuten und Ausflugsbooten tuckert den Huangpu entlang. Der Fluss durchzieht Chinas größte Metropole Shanghai und trennt ihr Zentrum in alt und neu. Auf der alten Seite liegt die berühmte Pracht-
Energie straße, die seit kolonialen Zeiten „Bund“ genannt wird – ein angloindischer Ausdruck für ein befestigtes Flussufer. Die Bauten, errichtet zwischen 1900 und 1940 von Banken und Handelshäusern, beherbergen heute zum Teil schicke Hotels, edle Geschäfte, Restaurants oder Bars. Die Uhr im Turm der Zollbehörde schlägt jede Stunde in altmodischem Ton – das „Custom House“ ist das einzige Gebäude, dessen Bestimmung sich nie geändert hat. Gegenüber der Promenade am Bund ragt das neue Shanghai auf, die Pudong New Area. Pudong heißt „östlich des Flusses“, die Gegend wurde erst ab 1992 entwickelt. Heute residieren dort, in den Glastürmen des Finanzdistriktes Lujiazui, die Banken Chinas und der Welt, die Shanghaier Börse und mehrere Fünfsternehotels.

Das höchste Gebäude Chinas
Die Bund-Promenade ist ein Lieblingsort der Touristen und vieler Shanghaier. Letztere kommen am frühen Morgen zur Gymnastik und am frühen Abend zum Laufen oder Spazierengehen. Tagsüber ist jeder Platz am Geländer besetzt von Menschen, die einander fotografieren. Eine Gruppe frisch gebackener Absolventen einer Shanghaier Universität drängt sich zusammen, um mit dem Selfiestick ein letztes gemeinsames Foto mit der Skyline zu machen. „Wir sind gerade fertig mit der Uni und wer weiß, wohin wir uns bald zerstreuen“, erklärt einer von ihnen. Immer im Hintergrund: Der Fluss und die drei höchsten Wolkenkratzer der Stadt am anderen Ufer: der Jin Mao Tower, das Shanghai World Financial Center – wegen eines eckigen Lochs im Volksmund „Flaschenöffner“ genannt – sowie der gerade fertiggestellte Shanghai Tower. Das 632 Meter hohe Gebäude mit einer um 120 Grad eingedrehten Glassfassade ist der höchste Turm Chinas und der dritthöchste der Welt. „Der Shanghai Tower wird diesen Sommer eröffnen und sofort ein zusätzlicher Anziehungspunkt in Pudong sein“, sagt Guo Qianjun, die als freie Reiseleiterin Gruppen aus verschiedenen Ländern durch Shanghai geleitet. Lujiazui gehört für sie zum festen Bestandteil jeder Tour – inklusive der Aussichtspunkte hoch über der Stadt. Die derzeit höchste Plattform ist auf gut 500 Metern Höhe im Flaschenöffner. Bei klarer Sicht sind von dort oben die Ränder der riesigen 25-Millionen-Metropole und beide Flughäfen zu erkennen. Vom Shanghai Tower wird man sogar auf den Flaschenöffner herabblicken können.

BHKW erzeugt umweltfreundliche Energie
Der Shanghai Tower steht in der zweiten Reihe, nicht direkt am Ufer. Das Gebäude sei das umweltfreundlichste Super-Hochhaus der Welt, sagte 2013 ein Sprecher des US-amerikanischen Architektenbüros Gensler, das den Turm entwarf. Die doppelt verglaste Fassade reduziert den Kühlungsbedarf im Sommer. Teile der Energie werden von Windturbinen nahe der Turmspitze generiert; zur Kühlung und Heizung wird unter anderem Geothermie genutzt. Tief unter dem Turm wartet zudem in einem schallabsorbierenden Kasten ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk von MTU Onsite Energy auf seinen Einsatz. „Hier wurde die fortschrittlichste und umweltfreundlichste Technologie verbaut – zum Beispiel smartes Energiemanagement. Der Shanghai Tower wurde daher nach dem US-Energiespar-Standard LEED ausgezeichnet“, sagt Xu Ming, Marketingdirektor vom Ingenieurbüro Micropower, das mit MTU zusammenarbeitet. „Dazu passt das Blockheizkraftwerk. Es spart Energie und nutzt umweltfreundliches Erdgas.“

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Xu Ming vom chinesischen Ingenieurbüro Micropower
ist stolz darauf, zusammen mit MTU
Onsite Energy eins der ersten Blockheizkraftwerke in Shanghai
installiert zu haben.


Grundlage für die Anlage ist ein 12-Zylinder-Gasmotor der Baureihe 4000. Dieser erzeugt die 1.165 Kilowatt Strom für die Eigenversorgung des Gebäudes. Mit der Wärmeenergie des Motorkühlwassers wird zudem das Warmwasser aufbereitet. Doch als Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung kann die Anlage sogar mehr als Strom und Wärme erzeugen. Das Abgas wird einer absorptions-kältemaschine zugeführt und dient damit zur Kälteerzeugung im Gebäude.

Die gewaltige Höhe des Turms mit seinen 137 Stockwerken habe verlangt, zwei Energie-Zentren je für den oberen und unteren Teil einzurichten, erklärt Xu. „Das Blockheizkraftwerk wird für den unteren Teil des Turms fünf bis acht Prozent des Stroms erzeugen sowie zehn Prozent der Energie für Kälte und Wärme – je nach Jahreszeit.“ In wenigen Wochen werde die Anlage beginnen zu surren, sagt Xu. Sie ist ein Vorreiter in China. „Blockheizkraftwerke stehen hier erst am Anfang. In Shanghai gibt es erst 50 meist kleinere dieser Anlagen.“ MTU Onsite Energy gelte in China als absolut führend auf diesem Gebiet, ebenso wie bei Stromaggregaten.

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Ein Blockheizkraftwerk von MTU Onsite Energy sorgt
im Shanghai Tower für Strom, Wärme und Kälte.

Notstromaggregate in wichtigen Hochhäusern
Und so stehen in einem anderen Raum des labyrinthartigen Kellers auch sechs Notstromaggregate von MTU Onsite Energy. „Die Dieselaggregate mit je 2.650 Kilowatt Leistung springen bei Stromausfall binnen weniger Sekunden an und versorgen den Turm mit Strom für das Nötigste“, erklärt Surf
Qin von MTU China in Shanghai: Beleuchtung, Feuerschutz und andere Rettungseinrichtungen sowie das Datenzentrum, das nie ohne Strom sein darf. Auch die Stromversorgung anderer Bürotürme der Gegend werden durch Aggregate von MTU Onsite Energy abgesichert: Etwa das Shanghai World Financial Center, der Turm der Shanghai Pudong Development Bank, der Büroturm eines großen Chemieunternehmens sowie das nahe gelegene Science and Technology Museum. Auch in der East China Station des CAAC Air Traffic Control Center und unter dem Shanghai International Conference Hotel stehen Notstromaggregate von MTU Onsite Energy.

Quirlig, modern und global
Shanghai liebt die Moderne. Die Stadt ist anders als Peking mit seinen ehrwürdigen Kaiserbauten. Die Geschichte der Hafenmetropole ist kurz. Sie stieg auf durch findige Geschäftsleute und das Eingreifen der Ausländer: Die Briten erkannten
im 19. Jahrhundert, wie günstig die Lage des damaligen Fischerorts Shanghai an der Mündung des Jangtsekiang war – jenes gewaltigen Stroms, der das Landesinnere Chinas mit dem Pazifik verbindet und Händlern Zugang zu chinesischem Tee, Seide und Porzellan bot. China wollte den Außenhandel nicht, doch die Briten erzwangen im Zweiten Opiumkrieg 1842 die Öffnung. Ausländer strömten an die Jangtsekiang-Mündung und bauten in Shanghai ihre Konzessionen auf, de facto exterritoriale Gebiete, deren Architektur von Bauhaus bis Art déco bis heute die Stadt prägen. In Chinas Boomjahren seit 1980 entstanden über die Stadt verstreut moderne Bürotürme und Wohnanlagen. Die Stadtväter wollen ihre Metropole zu einem globalen Wirtschafts- und Finanzzentrum ausbauen. Davon zeugt auch der Transrapid, die Magnetschwebebahn zum internationalen Flughafen Pudong. Im Juni eröffnete zudem in Shanghai einer der größten Disneyland Parks der Welt.

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Das moderne Shanghai:
Wolkenkratzer wachsen in den Himmel,
moderne Architektur prägt das Bild.





Genau das macht die Faszination dieser Stadt aus: Die Mischung aus quirligem Asien und globalen Trends. Das Nebeneinander von Alt und Neu. Und die unglaubliche Dynamik der Stadt – die Menschen sind ständig in Bewegung, selbst wenn im Sommer heftige Regengüsse niedergehen. Dann holen sie
Schirme oder Regencapes aus der Tasche, besorgen sich vielleicht kurz einen Snack an einer Garküche unterm Dach – aber dann schwingen sie sich wieder aufs Moped oder hasten zur nächsten U-Bahn-Station.

Der einst älteste Teil ist das chinesische Viertel – bis zu ihrem Abriss 1911 von einer Stadtmauer umgeben. Hier sammelten sich Kleinhändler, Kulis und Migranten aus dem Hinterland. Es war ein armes Gebiet, das in den letzten 20 Jahren großflächig
abgerissen wurde – und teils durch ein Basarviertel im alten Stil ersetzt wurde. In dessen Herzen liegt der Yu-Yuan-Garten. 1557 angelegt und über die Jahrhunderte immer wieder neu gestaltet, ist er ein Zeugnis der traditionellen Gartenkultur am Jangtsekiang, die es sonst vor allem in Suzhou zu sehen gibt (siehe Kasten): kleine Pavillons, künstliche Steinberge, Bambuswälder, Blumen und Bananenbäume. Im Basarviertel erstehen Reisende aus China und aller Welt billige Souvenirs und probieren lokale Snacks.

Asiatischer Alltag
An den von Platanen gesäumten Straßen der einstigen französischen und internationalen Konzessionen spielt sich derweil typisch asiatischer Alltag ab: Die meist winzigen Läden sind zur Straße offen, sie verkaufen Bambusmatten, Bürobedarf, Haushaltswaren, Stoffe und Schlafanzüge oder Obst und Gemüse. Dazwischen holen sich die Menschen auf dem Weg zur Arbeit gebratene Teigtaschen oder schlürfen eine Schale Suppe. Mopeds und Elektro-Scooter schlängeln sich zwischen Lastenfahrrädern und Autos hindurch.

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Der Yu-Yuan-Garten ist umgeben von einem Einkaufszentrum,
dessen Architektur an die Qing-Dynastie erinnern soll,
und das mit vielen Andenkenläden und Essensständen
die Touristen anlockt.

Shanghais Geschichte ist vielerorts sichtbar. Im nobleren Teil der französischen Konzession um die Wukang Lu stehen Villen in teils verwilderten Gärten, meist nur sichtbar, wenn die Tore einmal offen stehen. Tafeln erklären, wer dort einst wohnte:
Internationale Gesandte und Geschäftsleute, hohe Beamte oder reich gewordene lokale Gangster, die Glücksspiel und Opiumhandel der Stadt kontrollierten. Das jüdische Museum im Hongkou-Distrikt zeugt von den Jahren des Krieges, als Tausende deutscher Juden hier Zuflucht vor den Nationalsozialisten fanden. In Xintiandi und Tianzifang wurden alte Stein-Reihenhäuser und Gassen stilvoll restauriert. In Xintiandi finden sich heute Luxusboutiquen wie Shanghai Tang ebenso wie das Gründungsgebäude der Kommunistischen Partei Chinas.

Am Abend sind Alt und Neu am Bund fantastisch angestrahlt – zu genießen etwa von den Dachterrassen des Restaurants M on the Bund oder der Bar Rouge. Demnächst erstrahlt in Pudong dann auch regelmäßig der Shanghai Tower – mit der umweltfreundlich erzeugten Energie des BHKWs.


Der Inhalt der Beiträge entspricht dem Stand zum jeweiligen Erscheinungsdatum. Sie werden nicht aktualisiert. Weitergehende Entwicklungen sind deshalb nicht berücksichtigt.

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