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Energiewende in der Schifffahrt

03.05.2018 | Text: Silke Rockenstein | Bilder: Robert Hack

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Die Treibhausgas-Emissionen in der internationalen Schifffahrt sollen bis zum Jahr 2050 um mindestens 50 Prozent sinken, verglichen mit dem Jahr 2008. Darauf hat sich der Umweltausschuss der Seeschifffahrtsorganisation der Vereinten Nationen (IMO) geeinigt. Vertreter aus mehr als 100 Ländern beschlossen am 13. April 2018 diese Strategie zur CO2-Reduktion, die nach Ansicht des VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) ambitioniert ist vor dem Hintergrund der prognostizierten, kräftigen Steigerungen des Schiffverkehrs in den kommenden Dekaden. Wie wird der Beschluss von Seiten der Schiffs-Antriebshersteller beurteilt? Dazu ein Interview mit Dr. Daniel Chatterjee, Leiter des Green – und Hightechprogramms bei Rolls-Royce Power Systems.

Herr Dr. Chatterjee, wie beurteilen Sie diese Entscheidung?
Der Beschluss der IMO ist ein klares Bekenntnis dafür, dass auch die internationale Schifffahrt sich an den Klimazielen beteiligt. Eine global einheitliche Regelung mit klaren Zielen und konkreten Maßnahmen ist für uns wichtig. Sie wird dazu führen, dass innovative Antriebstechnologien genutzt und gefördert werden.
 
Wie kann diese radikale maritime Energiewende gelingen? 
Alle beteiligten Parteien wie, zum Beispiel Reeder, Werften, Hersteller von Antriebsanlagen aber auch die Politik müssen zusammenarbeiten und einen Beitrag bringen. Eine Schlüsselfunktion auf dem Weg zur Reduzierung der CO2-Emissionen in der internationalen Schifffahrt hat sicherlich neue Antriebstechnologie. Notwendige  Rahmenbedingungensind die Förderung innovativer Technologien und der entsprechenden Infrastruktur. Ganz wesentlich für das Gelingen der maritimen Energiewende wird die Umrüstung auf effizientere neue Antriebe sein. Neue moderne schwerölfreie Dieselmotoren bieten bereits eine deutliche Verbesserung. Ein weiterer Schritt wird durch Elektrifizierung, den Einsatz von LNG als Kraftstoff und langfristig die Nutzung von P2X-Kraftstoffen und damit auch eine Sektorenkopplung des Verkehrsbereichs mit dem Energieerzeugungssektor erreicht.

Ist Rolls-Royce Power Systems darauf vorbereitet?
Eindeutig ja! 2015 haben wir unser Green- und High-Tech-Programm gestartet. Mit diesem Programm investieren wir gezielt in umweltfreundliche Zukunftslösungen für weniger Schadstoffausstoß und geringeren Energie- und Rohstoffverbrauch. Wir konzentrieren uns dabei auf Abgasnachbehandlung, alternative Kraftstoffe, Elektrifizierung , Digitalisierung und Gesamtsystemfähigkeit. Wir haben dabei das gesamte Antriebssystem bis hin zu und Energie-Erzeugungssystemen im Blick.

Ende 2017 haben wir bereits unsere ersten Motoren des neuen mobilen MTU-Gasmotors für zwei niederländische Fähren ausgeliefert. Der Gasmotor stößt im Vergleich zu einem Dieselmotor ohne Abgasnachbehandlung keinen Ruß und keine Schwefeloxide aus, 90 Prozent weniger Stickoxide und 5 bis 10 Prozent weniger Treibhausgas. Damit hält er die seit 2016 geltenden IMO-III-Abgasnormen ohne zusätzliche Abgasnachbehandlung ein.

Bei der Entwicklung neuer Systeme planen wir elektrische Komponenten immer optional mit ein. Wir sehen hier in der nächsten Zeit einen steigenden Bedarf bei Hybrid-Antriebssystemen. Neben der Marine werden diese Systeme auch in weiteren Anwendungen wie Bahn oder in Form von Batteriespeichern für Microgrids zur Energieversorgung relevant.

Als Hersteller von Gesamtantriebs- und -Energielösungen müssen wir  über den Motor hinaus denken. Aktuell starten wir ein Verbundvorhaben, das sich mit der gesamten Kette von der P2X-Erzeugung bis zur Nutzung beschäftigt. 

Dr. Daniel Chatterjee ist Leiter des Green- und High-Tech-Programms von Rolls-Royce Power Systems und außerdem verantwortlich für das Produktmanagement der Groß- und Klassikmotoren sowie der Motoren der unteren Leistungsklasse von MTU.

Der Inhalt der Beiträge entspricht dem Stand zum jeweiligen Erscheinungsdatum. Sie werden nicht aktualisiert. Weitergehende Entwicklungen sind deshalb nicht berücksichtigt.

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