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Wie machen wir… Kontakt

07.04.2015 | Text: Yvonne Wirth | Bilder: Robert Hack

4000er MTU-Aggregate

Ein leises Wummern, dann springen die starken 4000er MTU-Aggregate an. Denn sie produzieren zum Beispiel Notstrom für einen ganzen Stadtteil oder ein Krankenhaus. Aber auch den Bordstrom einer Yacht. Dafür muss allerdings im richtigen Moment ein Signal an den Motor gesendet werden, der über den Generator den Strom erzeugt – das Aggregat muss also anspringen. Um dies zu gewährleisten, ist gerade bei der Verkabelung von Stromaggregaten viel Fingerspitzengefühl und Genauigkeit gefragt.

Leitungen sind das Nerven- und Steuersystem eines Aggregats. Sie verbinden Steuergeräte und Messeinrichtungen am Motor mit der Motorüberwachung, den Temperatureinrichtungen oder den Feuerlöschsystemen des Aggregats. Und sie müssen einiges aushalten: Temperaturen von bis zu 120 Grad Celsius, Ströme von mehreren Hundert Ampere und Spannungen bis 400 Volt. Um sicherzugehen, dass sie das können, verlegt MTU diese Leitungen selber im Friedrichshafener Produktionswerk.

?Bis zu 350 Arbeitsstunden
Bis auch wirklich jede Leitung an der richtigen Stelle sitzt und mit den passenden Steckern verbunden ist, sind drei Mitarbeiter zwei bis drei Wochen lang beschäftigt. Insgesamt sind dies bis zu 350 Arbeitsstunden. Einer dieser Mitarbeiter ist Holger Erdle. Versunken steht er an seiner Werkbank, vor ihm der Schaltplan und um ihn herum ein scheinbares Wirrwar aus Leitungen. Doch wenn man mit ihm spricht, wird schnell klar, dass er mit diesem Wirrwarr einen genauen Plan verfolgt. Er erstellt die Kabelbäume, die später am Aggregat, also dem Motor mit einem Generator, der Strom erzeugt, angebaut werden.

Schaltplan bildet die Grundlage
Grundlage dafür ist ein Schaltplan, der für jedes Aggregat speziell angefertigt wird – denn im Projektgeschäft ist kein Aggregat wie das andere. Nach diesem schneidet Holger Erdle zunächst die Leitung auf die passende Länge zurecht und beschriftet sie mit einem Kabelmarkierer, um später genau zu wissen, welche Leitung wohin muss. „Die meisten unserer Aggregate werden mit einer sogenannten Schallschutzkapsel bestellt, um zum Beispiel in einem Schiff die Motorgeräusche möglichst gering zu halten“, erklärt Erdle. „Wir installieren in der leeren Kapsel die Elektronik für alle Komponenten wie zum Beispiel CO2-Feuerlöschanlagen, Warnsirenen, die Selbstüberwachung der Motoren, die Motorregelung oder Pumpensteuerungen.“

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Holger Erdle bei der Werkerselbstkontrolle. Das bedeutet,
er überprüft nochmals die Funktion aller Leitungen
mit Hilfe eines Messgerätes. Dieser Vorgang ist der
letzte Arbeitsschritt bevor das Aggregat an den Kunden geht.

Bis zu 800 Adern pro Aggregat
Die Arbeit von Holger Erdle hört allerdings nicht an der Werkbank auf. Sind die Kabelbäume fertig zusammengesetzt, bringt er sie am Aggregat an und verbindet sie mit dem Schaltkasten. Jede Leitung wird dafür mit den entsprechenden Sensoren am Aggregat verbunden und sauber in den Schaltschrank verlegt. Eine Leitung enthält mehrere farbige Adern, die einzeln angeschlossen werden. Bis zu 800 solcher farbiger Adern müssen die MTU-Elektriker pro Aggregat anschließen - ein Geduldsspiel, bei dem sie sich keinen Fehler erlauben dürfen. „Gerade bei Notstrom-Aggregaten könnte es schlimme Folgen haben, wenn der Strom nicht fließt“, erzählt Holger Erdle. „Unsere Arbeit muss daher immer 100 Prozent genau sein.“

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Hier ist Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt:
Denn die einzelnen Kontakte müssen
in den Verbindungsstecker eingepinnt werden.   

Eine metallene Hochzeit
Ist die Aggregateelektronik in der Kapsel fertig – beginnt die „Hochzeit“. Braut und Bräutigam – also Aggregat und Kapsel – gehen gemeinsame Wege. Dazu wird die Kapsel auf den Grundrahmen des Aggregats gehoben – sie werden miteinander verheiratet. Sobald Motor und Generator in der Kapsel sind, haben die Elektriker nur noch 50 bis 60 Zentimeter Platz, um sich zu bewegen und die Motorelektronik mit der Aggregateelektronik zu verbinden. Dies sind nochmal etwa 70 Stunden in einer sehr beengten und warmen Arbeitsumgebung. Anschließend werden dem Kunden die Schnittstellen für dessen eigene Elektronik zur Verfügung gestellt. Vom anfänglichen Leitungs-Wirrwarr ist dann nichts mehr zu sehen.

Der Inhalt der Beiträge entspricht dem Stand zum jeweiligen Erscheinungsdatum. Sie werden nicht aktualisiert. Weitergehende Entwicklungen sind deshalb nicht berücksichtigt.

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