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Wie machen wir... Rohre?

02.11.2015 | Text: Caren-Malina Butscher | Bilder: Robert Hack

Rohre; Technologie

Egal ob Wasser, Öl, Kraftstoff oder Luft: Mit  dutzenden Rohrleitungen werden MTU-Motoren zum Leben erweckt. Durch Rohre gelangen flüssige und gasförmige Stoffe zum Ort der Verbrennung, Kühlung, Aufladung und Kraftübertragung.  Aufgrund der vielen unterschiedlichen Baureihen und Anwendungen, kauft MTU Rohre nicht nur von Zuliefern, sondern lässt diese auch im eigenen Haus anfertigen. Dass zum Rohrefertigen nicht nur das Biegen gehört, zeigt ein Blick in die MTU-Rohrschlosserei. MTU-Mitarbeiter fertigen jährlich zwischen 350.000 und 500.000 Rohrleitungen.

In einem zwölf Meter hohen Regal werden Rohre für alle Baureihen gelagert.?
In einem zwölf Meter hohen Regal werden Rohre
für alle Baureihen gelagert.

Auf den ersten Blick sieht es aus wie im Selbstbedienungsbereich bei IKEA, doch im Rohr-Hochregallager gibt es weder Sofas, noch Lampen. In dem zwölf Meter hohen Regal lagern Rohre mit einem Durchmesser zwischen vier und 159 Zentimetern und einer einheitliche Länge von sechs Metern. Zur Wahl stehen Stahl, Edelstahl, Kupfer, Messing sowie eine seewasserbeständige Legierung aus Kupfer, Nickel und Eisen (CuNiFe). Welches Material verwendet wird, ist abhängig von der Baureihe und dessen Anwendung. Rohre für  die Baureihe 396 für U-Boote dürfen zum Beispiel nicht magnetisch sein, daher werden für diese Chrom-Nickel-Leitungen verwendet. 16.500 mögliche Rohrvarianten stellt MTU her: eine Zahl, die die große Produktpalette veranschaulicht.

Nach der Bearbeitung in der CNC-Maschine ist das Rohr mehrfach gebogen.?
Nach der Bearbeitung in der CNC-Maschine ist das
Rohr mehrfach gebogen.

CNC-Maschine biegt Rohre 
In der Absägerei holt Mitarbeiter Bernhard Bentele ein Rohr aus dem Hochregal und sägt das Stangenmaterial an den zwei Kaltkreissägen auf die entsprechende Länge. Die variiert zwischen einem und drei Metern. Für die Weiterverarbeitung werden die Leitungen entgratet und gewaschen. Für die passende Form und damit sich das Rohr ohne Zwischenräume dem Motor anschmiegt, wird es von einer computergesteuerten Arbeitsmaschine, der CNC-Maschine (Computerized Numerical Control), weiter verarbeitet. Rohre mit einem Durchmesser von fünf bis 70 Millimetern biegt die CNC-Maschine nach genau festgelegten Programmen, damit jedes Rohr gleich ist. Der Prozess ist computergesteuert und hat dadurch eine kleinere Fehlerquote, als es ein von Hand gesteuerter Arbeitsablauf hätte. Rohrschlosser Thomas Günthör legt dafür das Rohr in die Biegemaschine. Diese zieht es ein – und nach wenigen Sekunden kommt das vorher gerade Rohr mit etlichen Biegungen raus.

Rohre mit kleinerem Durchmesser werden durch Löten mit dem Anschlussteil verbunden.?
Rohre mit kleinerem Durchmesser werden durch
Löten mit dem Anschlussteil verbunden. 

Löten: Mit Gas oder Flamme?
Eine Waschmaschine reinigt die Rohre bei circa 70 Grad. Frei von jeglichem Schmutz werden Rohr und Anschlussteil entweder an den Induktivlötanlagen angelötet oder bei größerem Durchmesser verschweißt. Beim Löten wird je nach Material und Durchmesser entweder induktiv mit Schutzgas oder mit Flamme und Flussmittel gearbeitet. Bei beiden Verfahren wird das Rohr von allen Seiten gleichmäßig erwärmt und dadurch mit dem Anschlussteil verbunden. Beim Verschweißen größerer Rohre ist Maßarbeit gefordert:Die Stromstärke des Schweißgeräts muss so eingestellt sein, dass ein Schmelzbad entsteht, das Rohrmaterial flüssig wird und mithilfe eines Drahts mit dem Anschlussteil verbunden werden kann. Zum Schluss wird die Rohroberfläche gebeizt und durch Konservierung vor Korrosion geschützt. Um zu überprüfen, ob das Rohr dicht ist, wird es unter Wasser mit 0,5 Bar Luftdruck abgepresst. Rohre, die im Motor einem größeren Druck ausgesetzt sind, werden in einem speziellen Prüfstand mit 80 Bar Öldruck auf Festigkeit und Dichtheit geprüft.

Große Rohre kommen zum Schweißen: Dabei entsteht ein Schmelzbad und das Rohr kann mithilfe eines Drahts mit dem Anschlussteil verbunden werden. ?
Große Rohre kommen zum Schweißen: Dabei entsteht ein Schmelzbad und das Rohr kann mithilfe eines Drahts mit dem Anschlussteil verbunden werden. 








Der Inhalt der Beiträge entspricht dem Stand zum jeweiligen Erscheinungsdatum. Sie werden nicht aktualisiert. Weitergehende Entwicklungen sind deshalb nicht berücksichtigt.

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