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Wie machen wir... dicht?

27.04.2016 | Text: Caren-Malina Butscher | Bilder: Robert Hack

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Sind MTU-Motoren wasserdicht? Die meisten nicht – müssen sie auch nicht, denn schon der Motorraum ist dicht und schützt die Motoren so vor Wasser. Bei Kettenfahrzeugen ist das anders: Die haben keinen dichten Motorraum und die Motoren werden auch mal nass. Damit die Elektrik im Ernstfall nicht baden geht, werden Leitungen für MTU-Motoren mit einem speziellen Verfahren dicht
gemacht.

Sie haben eine Länge zwischen einem und 15 Metern, müssen Temperaturen zwischen Minusgraden und plus 450 Grad Celsius und Spannungen von 24 bis 400 Volt ertragen: Leitungen für MTU-Motoren müssen einiges aushalten. „Die Leitungen sind die Schnittstellen zwischen High-Tech-Komponenten am Motor oder Aggregat“, so Georg Haas, Meister in der Kabelbaufertigung bei MTU in Friedrichshafen. Damit sie undurchlässig für Staub und Wasser sind und keine Störungen bei Steuerung und Überwachung im Motor auftreten, müssen sie dicht sein. Doch bis MTU-Mitarbeiter
die Motoren auf ihre Dichtigkeit prüfen können, müssen sie erst einmal produziert werden.

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Mit Fingerspitzengefühl steckt Zoran Krucican die Adern mit
dem passenden Pin in einen runden Stecker.

Ein Pin für jede Ader
Dazu schneidet Zoran Krucican zunächst mehrere lange, weiße, dünne Adern auf die passende Länge. Durch diese laufen später die Signale der Motorelektronik. Krucican setzt auf das Ende der jeweilig abisolierten Ader einen „Pin“, der wie eine längliche silberne Schutzhülle aussieht. Denn nur damit kann die Leitung eine Verbindung herstellen. Bis zu 64 Adern steckt Krucican mit dem jeweiligen Pin in einen runden Stecker.
Johannes Hecht, Monteur bei MTU, setzt einen grauen Dichtgummi über die Adern – und dann wird geklebt: Zwischen Stecker und Steckergehäuse kommt ein Tropfen Dichtmittel, eine Art Flüssigkleber, zum Einsatz.

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Mehr als heiße Luft: Johannes Hecht benutzt einen speziellen
Föhn, damit die wärmeschrumpfenden Teile weich werden und
sich miteinander verbinden.

Das „Dichtmachen“ beginnt
Als Haube setzt Hecht eine silberne, geflochtene Abschirmung über die ganze Länge der Adern. Diese dient dem Schutz vor elektro-magnetischen Wellen: „Das ist eine verzinnte Kupfer-legierung. Damit stellen wir sicher, dass die Signale später nicht gestört werden“, erklärt Haas. Dicht auf elektronisch sozusagen. Sobald Hecht das Geflecht aus Kupfer über die ganzen Adern gestülpt hat, zieht er das Kupfergeflecht auf das Steckergehäuse auf und verbindet es mittels eines Edelstahlbandes, schlägt es um und drückt es dann wieder nach hinten. Zum Schluss stülpt er einen schwarzen Schrumpfschlauch darüber – sozusagen als Mantel der Leitung. Er verbindet dann den Schlauch mit dem Steckergehäuse über ein extra konzipiertes Schrumpfformteil – und greift zum Föhn. Durch die warme Luft - im Fachjargon nennt man es "schrumpfen“ – werden die wärmeschrumpfenden Teile weich und es entsteht die wasserdichte Verbindung zwischen Steckergehäuse und dem Mantel der Leitung.

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Abgetaucht? Im Tauchbecken prüft Daniel Angele, ob die
Leitungen dicht sind.

Unter Wasser
Damit sind die Leitungen fertig und dicht. Elektriker Daniel Angele muss die Leitungen jedoch noch tauchen, wobei untersucht wird, ob die Leitungen dicht sind und Druckwasser standhalten. Angele legt die Kabelbäume in
ein leeres Tauchbecken. Das Becken füllt er mit Wasser, mittels einer Pumpe wird Druck simuliert – als ob die Leitung mehrere Meter unter Wasser tauchen würde. „Wenn jetzt Luftblasen hochsteigen würden, ist die Leitung undicht“, so Angele. 60 Minuten lang liegen die Kabelbäume dann im Wasser – am liebsten ohne aufsteigende Luftblasen.



Der Inhalt der Beiträge entspricht dem Stand zum jeweiligen Erscheinungsdatum. Sie werden nicht aktualisiert. Weitergehende Entwicklungen sind deshalb nicht berücksichtigt.

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