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Wie machen wir... farbig?

12.05.2014 | Text: Lucie Maluck | Bilder: Robert Hack

Lackiererei

Es gibt sie in Blau, in Silber, in Rot oder Weiß, Grün oder Schwarz. Aber auch in Perlmutt, Gold oder in Kawasaki-Grün. MTU-Motoren gibt es in allen Farben, die Kunden sich wünschen. Dass zum Farbigmachen nicht nur Lackieren gehört, zeigt ein Blick in die MTU-Lackiererei.

Grelles Licht, ein Mann mit einem Anzug, der aussieht, als würde er gleich ins Weltall fliegen, und an der Traverse des Hallenkrans ein Motor – eine unwirkliche Atmosphäre. Fast wie in einem Science-Fiction-Film fühlt man sich, wenn man vor der Lackierkabine im MTU-Werk 2 in Friedrichshafen steht und durch die Glasscheibe hineinschaut. Damit keine Dämpfe nach außen gelangen, ist sie luftdicht verschlossen. Schicht für Schicht trägt ein Mitarbeiter weißen Lack auf den Motor auf. „Signal-Weiß“ nennt sich die Farbe, die mit knapp fünf Bar Spritzdruck aus der Düse geschossen kommt. 120 Mikrometer dick wird sie aufgetragen. „Manche Kunden wünschen auch, dass wir die Farbe dicker auftragen, was natürlich kein Problem ist“, erklärt Hannes Wohlleben, Inselleiter in der MTU-Lackiererei.

Bevor der Motor lackiert werden kann, klebt ein Mitarbeiter alle Teile, die nicht lackiert werden sollen, mit Klebeband ab.?
Bevor der Motor lackiert werden kann, klebt ein Mitarbeiter alle Teile,
die nicht lackiert werden sollen, mit Klebeband ab.

Vor dem Lackieren „in die Maske”
Doch bevor der Motor in die Lackierkabine geschoben wird, muss er zunächst in die Maske. Alle Stellen, die nicht lackiert werden sollen, werden abgeklebt. Maskiert heißt der Fachausdruck dazu. „Das ist nichts anderes als das, was Sie zu Hause machen, wenn Sie ein Fenster streichen: Wir kleben die zu schützenden Teile mit Kreppband ab“, erklärt Hannes Wohlleben. Dazu gehören die Typenschilder, bewegliche Teile oder Kabel.

IFrame

Erst grundieren, dann lackieren
Dann geht’s los: Der Motor wird in die Spritzkammer gebracht und zunächst mit umweltfreundlichem Zwei-Komponenten-Wasserlack grundiert. Mit einer Spritzdüse trägt ein Mitarbeiter eine Grundierung auf. Dies ist notwendig, damit der Lack später besser haftet. Konzentriert und mit Hilfe greller Lichtstrahlen wird die Grundierung aufgetragen. Um anschließend den Lack aufzutragen, muss der Motor zunächst getrocknet werden. Dazu gibt es spezielle Trockenkabinen, in denen der Motor 40 Minuten lang mit warmer Luft umspült wird. Auf dem Rollwagen wird der Motor dann wieder in die Lackierkabine gezogen und mit dem Hallenkran an der Decke befestigt. Weiter geht es mit dem Lackieren. Langsam und gründlich, erst an den Ecken, dann auf dem ganzen Motor trägt der Mitarbeiter den leuchtend weißen Lack auf den Motor auf. So lange, bis der Lack 120 Mikrometer – und damit ungefähr zwei Mal so dick wie ein Männerhaar – ist. 

The engine is towed to the drying booth on a trailer. There, it is fanned by dehumidified air at a temperature of 60 degrees.?
Auf einem Anhänger wird der Motor in die
Trockenanlage gefahren. Hier wird er von
entfeuchteter, 60 Grad warmer Luft umspült.

Motor trocknet gleichmäßig
Am Ende führt der Weg des Motors wieder in die Trockenkabine. Dort umspülen Ventilatoren ihn wie schon zuvor mit heißer Luft und entziehen ihm so 10 Liter Wasser in der Stunde. Eine vollautomatische Steuerung regelt, dass die Motoren sanft getrocknet werden. So ist die Luft zunächst nur 30 Grad warm, erwärmt sich dann aber auf 60 Grad. „Damit stellen wir sicher, dass der Lack gleichmäßig trocknet“, erklärt Hannes Wohlleben. Zudem verhindere dieser langsame Temperaturaufbau, dass Blasen, Kratzer oder Risse im Lack entstehen oder der Lack nur an der Oberfläche trocknet, innen aber noch nass ist.

Jetzt ist der Motor fertig und bereit zum Einsatz. Strahlend weiß steht er nun da. Nicht mehr lange wird es dauern, bis der Motor luftdicht verpackt in einer Box aus Holz auf die Reise geschickt wird.

Der Inhalt der Beiträge entspricht dem Stand zum jeweiligen Erscheinungsdatum. Sie werden nicht aktualisiert. Weitergehende Entwicklungen sind deshalb nicht berücksichtigt.

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