Schließen

Die Stadt der Zukunft

20.04.2015 | Text: Petra Kaminsky | Bilder: Fraunhofer IBP

Tags/Keywords

Fabriken kehren zurück in die Stadt. Elektrogeräte werden wiederverwendet.
In Parks wachsen Tomaten statt Tulpen – zu pflücken für jedermann. Die Zukunft der Stadt hat auch etwas mit Landleben zu tun. Vieles, was in den kommenden zehn bis 20 Jahren auf uns zukommt, ist in den Metropolen schon spürbar. Anderes sind noch Visionen.

Roboter-Autos ohne Fahrer, neue Fabriken in der Stadt und die Wiederverwertung
von Baustoffen: Der Alltag vieler Stadtbewohner wird sich nach Einschätzung
von Forschern weiter verändern. Probleme wie Staus, Lärm und Abgase hatten so zugenommen, dass vielerorts neue Lösungen hermüssen. Carsharing-Modelle, wo Wagen geteilt und gemietet statt besessen werden, erleben seit einiger Zeit einen Boom. Elektromobilität ist ein viel diskutiertes Stichwort.

Andere Auto-Technik
„Die Zukunft liegt aber nicht in autofreien Städten, sondern in fahrerlosen Autos, die gleichzeitig geräuscharm und sauber sind”, so der Architekt Andreas Klok Pedersen. Seine Idee: ein intelligenter Straßenbelag mit programmierbaren Sensoren. Diese Technik hilft, autonome Wagen zu lenken. Zugleich wandelt sich die Fläche – etwa durch Farbänderung – von der Autospur zum Fußgängerweg. Professor Hans-Jörg Bullinger von der Fraunhofer-Gesellschaft erwartet, dass Autos anfangs in Parkhäusern alleine rollen werden. In acht bis zehn Jahren, sagt der Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky, würden dann in den Großstädten zunächst Taxis durch selbstfahrende Autos ersetzt. So bleibt Zeit, vernetzte Roboterautos noch sicherer zu machen als bisherige Testwagen von Google und vielen klassischen Automarken.

Doch Städte können nicht nur Rohstoffe in großem Maße verbrauchen. Ein weiterer Trend in Städten ist die verstärkte Wiederverwertung wertvoller Rohstoffe vom Elektrogerät bis zum Baustahlträger. Städte seien wie „Rohstoffminen”. „Wir wollen an die wertvollen Materialien, etwa aus Autos, wieder herankommen. Und das wird verbrauchernah und stadtnah erfolgen”, sagt Bullinger. Außerdem müsse die Stadt andere Übergänge zwischen Arbeit und Freizeit ermöglichen. Dazu könnte nach seiner Einschätzung eine Rückkehr von Fabriken in die Stadtgebiete beitragen. "Früher haben wir gesagt, die Fabriken müssen raus aus der Stadt, die machen Krach, die stinken, die belasten die Umwelt. Heute haben wir viele Fabriken, die
machen keinen Lärm mehr und haben keine schädlichen Emissionen mehr.”
Die Menschen gingen dann „anschaulich gesprochen, in den Hausschuhen zur Arbeit und später wieder heim”, sagt Bullinger.

Selbst pflücken
„Tomaten statt Tulpen in öffentlichen Grünanlagen” – mit diesem Modell wurde die Stadt Andernach in Rheinland-Pfalz seit 2010 zum Vorbild für andere. Bürger dürfen sich dort kostenlos bedienen, auch an Kartoffeln, Beeren und Obstbäumen der Kommune. Mehrere Dutzend „Essbare Städte” zählt eine Internetseite inzwischen.

Anders bauen
Auch wenn das Grün in Metropolen zu sprießen scheint: Viele Experten sehen Hochhäuser als Trend in Ballungsräumen. „Verdichtung und Wachstum werden große Themen. Wir vermuten, dass in der Folge wieder mehr in die Höhe gebaut werden wird. Gleichzeitig wird der Streit um Freiflächen an Schärfe gewinnen”, sagen Wolfram Putz und Thomas Willemeit, zwei Geschäftsführer des Architekten-Büros Graft in Berlin, voraus.

Anders produzieren
Links Fische, rechts Gemüse: Nicolas Leschke läuft in Wanderschuhen ins
Gewächshaus. Unter einem Dach mit Barschen sollen hier Tomaten, Salat oder Paprika gedeihen. Der 36-Jährige erzählt von elektronisch gesteuerten Systemen für Wärme und Wasser. Computertechnik soll helfen, das Aufziehen von Öko-Gemüse und Barschen so zu kombinieren, dass auf kleinstem Raum wassersparend und ohne Boden produziert wird. „Wir revolutionieren nicht die Lebensmittelproduktion, aber wir werden eine Ergänzung zur traditionellen Landwirtschaft”, prophezeit der Mitgründer der Stadtfarm ECF. Die Gründer von Infarm entwickeln in einem Berliner Hinterhof Konzepte, wie Mini-Gemüse und Kräuter auf kleinstem Raum in städtischen Gebäuden angebaut werden können, ob in Restaurants oder Duschkabinen. Auch ihr
Modell funktioniert ohne Erde. Andere Trendsetter der Urban-Farming-Bewegung
nutzen Dächer und Brachen zum Produzieren.

Basis für fast alles
„In der Stadt der Zukunft ist ein Alltag ohne intelligente Informations- und
Kommunikationstechnologien undenkbar”, hebt die Fraunhofer-Studie hervor.
Dabei schätzen viele Städter neben dem Leben mit Computern und Online-Shopping eine Art dörflicher Beschaulichkeit. „Die Menschen wollen zum einen die Nähe zu hochmoderner Technik und Fortschritt, sie wollen aber auch die Kleinteiligkeit des Dorfes in der großen Stadt wiederfinden”, betonen die Architekten von Graft.

Der Inhalt der Beiträge entspricht dem Stand zum jeweiligen Erscheinungsdatum. Sie werden nicht aktualisiert. Weitergehende Entwicklungen sind deshalb nicht berücksichtigt.

Ihr Kommentar

Kommentar*:
Name*:


E-Mail*:


Website:





Kontakt

Newsletter