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Startallüren

26.10.2016 | Text: Lucie Maluck | Bilder: MTU, Fotolia

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15 Sekunden braucht ein 4000er-Aggregatemotor von MTU, um die volle Leistung zu erbringen – knapp 90 Sekunden dagegen ein 13.600 PS starker MTU-Schiffsmotor der Baureihe 8000. Doch kann man das vergleichen?

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Ein MTU Aggregatemotor der Baureihe 4000 ist
nach neun Sekunden bereit, Strom zu erzeugen.

Nein, kann man nicht. Bei den Olympischen Spielen tritt ja auch kein 100-Meter-Sprinter gegen einen Marathonläufer an. Der 4000er-Aggregatemotor muss schnell seine Leistung bringen, um im Falle eines Stromausfalls sofort zur Verfügung zu stehen. Beim Schiffsmotor dagegen kommt es nicht auf die Geschwindigkeit alleine an. Wie ein Marathonläufer muss er zuverlässig viel Leistung bringen. Wer den schnellsten Start hat, ist im Rennen dagegen nicht entscheidend. Wie setzen sich nun die beiden Supersportler in Bewegung?

Warm machen und Gelenke schmieren
Wie echte Leistungssportler müssen sie erst warm werden – beide Motoren sind immer auf 40 Grad vorgewärmt. Der 8000er muss zunächst auch noch seine Gelenke lockern und baut den Schmieröldruck an den Kurbelwellenlagern auf. Der 4000er hingegen braucht das nicht, er ist kleiner und leichter und bekommt gleich nach dem Start genügend Öl. Da hat der 4000er also den ersten Zeitvorteil.

Anlassen: elektrisch oder mit Druckluft
Dann startet ein Anlasser die Motoren. Beim 8000er-Schiffsmotor wird er mit Druckluft betrieben, beim 4000er Genset-Motor meistens elektrisch. Der Anlasser setzt über ein Starterritzel und den Anlasserzahnkranz die Kurbelwelle in Bewegung, bis genug Luft im Zylinder ist und verdichtet wird, sodass Kraftstoff verbrannt werden kann. Ein Drehzahlsensor erfasst die Winkellage der Kurbelwelle. So kann die Elektroniksteuerung genau berechnen, an welchem Zylinder zuerst Kraftstoff eingespritzt werden muss. Dann setzt die Verbrennung ein und der Motor läuft an. Noch ist das Anlasserritzel eingespurt – beim 4000er so lange, bis der Motor sich 300 Mal in der Minute dreht, beim 8000er ist schon bei 140 Umdrehungen pro Minute für den Anlasser Schluss. Das Anlasserritzel wird ausgespurt.

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90 Sekunden braucht ein MTU-Motor der Baureihe 8000,
um bereit zu sein, ein Schiff mit 13.600 PS Leistung anzutreiben

Der 8000er-Marathonmotor beschleunigt nun weiter auf seine Leerlaufdrehzahl von 380 Umdrehungen, die er nach sechs Sekunden erreicht. Gibt der Kapitän dann sofort Gas, braucht er noch 82 Sekunden, bis der Motor seine Nenndrehzahl von 1.150 Mal in der Minute erreicht hat. Dann kann er aber mächtig Leistung erzeugen – mit 13.600 PS gehört er zu den stärksten schnelllaufenden Dieselmotoren der Welt.

In 15 Sekunden zum Weltrekord
Der 4000er-Sprinter dagegen beschleunigt gleich auf seine Nenndrehzahl von 1.500 bzw. 1.800 Umdrehungen pro Minute. Nach neun Sekunden ist er bereit, über seinen Generator Strom an das Netz abzugeben. Sechs Sekunden später bringt er dann 100 Prozent Leistung. Damit ist er auch ein Weltrekordler – kein anderer Motor kann das so schnell.


Der Inhalt der Beiträge entspricht dem Stand zum jeweiligen Erscheinungsdatum. Sie werden nicht aktualisiert. Weitergehende Entwicklungen sind deshalb nicht berücksichtigt.

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JEFF HYDE
14.11.2016
In North America NFPA 110 and 99 requires the generator and engine to except 100% load acceptance within 10 seconds.
 

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