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„Wir sind viel mehr als ein Dieselmotorenhersteller“

18.03.2019 | Text: Christoph Ringwald | Bilder: Robert Hack

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Andreas Schell, Vorstandsvorsitzender des MTU-Mutterkonzerns Rolls-Royce Power Systems, erläutert, mit welcher Strategie das Unternehmen an der Spitze der Antriebstechnik bleiben will. 

Rolls-Royce Power Systems bezeichnet sich selbst gerne als Lösungsanbieter. Was genau ist damit gemeint?
Viele von uns kennen uns als klassischen Hersteller von Dieselmotoren. Doch der sind wir schon lange nicht mehr. Motoren bauen wir noch immer – darin sind wir Weltklasse und das wollen wir bleiben – diese sind nun jedoch integrierter Bestandteil von kompletten Antriebs- und Energiesystemen. Bei Schiffen wollen wir beispielsweise das komplette System liefern, bestehend aus Motor, Automationssystem und weitere elektronische Elemente wie Radar, Navigation oder Positionierungssystem integrieren. Der Motor ist dann nur noch eine Komponente von vielen. In MTU-Microgrids sind unsere Blockheizkraftwerke oder Dieselaggregate auch nur noch eine Komponente - neben erneuerbaren Energiequellen, Batterien und der Steuerung. Und es muss auch nicht immer ein Dieselmotor sein: Wir wollen für unsere Kunden die beste Lösung finden. Die ist in manchen Systemen weiterhin ein Dieselmotor, sie kann aber auch ein Gasmotor sein, ein Hybridsystem, ein vollelektrisches Antriebssystem oder zukünftig auch eine Brennstoffzelle. 

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Welche Rolle spielt in diesem integrierten Ansatz der Service?
Was in Zukunft für unsere Kunden zählt, ist nicht mehr allein ein leistungsfähiger Motor. Vielmehr erwarten sie, dass sie dauerhaft und verlässlich auf Antriebsleistung oder -energie zugreifen können – und zwar rund um die Uhr, ganz gleich, an welchem Ort der Welt. Service ist demnach kein Zusatzangebot mehr, sondern integraler Bestandteil von Lösungen. Deshalb werden langfristige Service-Verträge, sogenannte Value Care Agreements, wie zuletzt mit unserem Kunden Hitachi künftig zum Standard. Bei Hitachi haben wir nicht nur den Antrieb geliefert, sondern garantieren auch für fast 30 Jahre dessen Verfügbarkeit. Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist die Digitalisierung. Künftig gilt es, unsere hohe technologische Kompetenz eng mit neuem digitalem Know-how zu verbinden. Mit Hilfe der Digitalisierung wollen wir neue Serviceangebote und Wertschöpfungsquellen erschließen, in neue Kundengruppen und Märkte vordringen. 

Wo steht Rolls-Royce Power Systems aktuell in punkto Digitalisierung?
Wir haben uns seit letztem Jahr massiv weiterentwickelt – und werden das Tempo in Sachen Digitalisierung noch erhöhen. In inzwischen weltweit fünf Customer Care Centern sind Experten in verschiedenen Zeitzonen rund um die Uhr an 365 Tagen für unsere Kunden und ihre Anliegen im  Einsatz. Dabei arbeiten sie eng vernetzt mit Kollegen aus unserer digitalen Einheit zusammen, Digital Solutions. Unser Digital Solutions-Team werden wir in den nächsten Monaten von 60 auf 80 Mitarbeiter verdoppeln. Digital Solutions hat die Aufgabe, den digitalen Wandel konsequent voranzutreiben: sämtliche MTU-Motoren und Systeme miteinander zu vernetzen sowie digitale Produkte und Services für optimalen Kundennutzen zu entwickeln, so zuletzt die beiden digitalen Tools MTU Go! Act und MTU Go! Manage, die zurzeit erfolgreich getestet werden. Big Data und Analytics werden für uns immer wichtiger: Auf deren Basis werden wir die digitale Wertschöpfung weiter ausbauen und innovative Geschäftsideen und -modelle für völlig neue Kundengruppen und Märkte entwickeln.

Welche Rolle spielen strategische Partnerschaften und Kooperationen im Rahmen von Power Systems 2030?
Der Wettbewerb auf unseren Märkten wird härter – nicht zuletzt durch branchenfremde Anbieter mit hohem digitalem Know-how. Vor diesem Hintergrund werden wir uns auf unser Kerngeschäft und unsere Kernkompetenzen konzentrieren – und, wo immer dies für unsere strategische Weiterentwicklung und Marktposition sinnvoll ist, gezielt mit Partnern zusammenschließen oder kooperieren. Das heißt: Wir binden künftig verstärkt externes Know-how zum Beispiel bei unseren F&E-Aktivitäten ein. Joint Ventures sind auch weiterhin ein wichtiger Schlüssel, um unsere Chancen auf den weltweiten Wachstumsmärkten konsequent zu nutzen. Mit MTU Yuchai Power und Goa Shipyard Limited haben wir in China und in Indien dabei bereits überaus positive Erfahrungen gemacht.

Wie wirkt sich die neue Strategie auf das Portfolio von Rolls-Royce Power Systems aus?
Wir werden auch weiterhin Dieselmotoren bauen. Aber wir werden ihn intelligenter und noch sauberer machen. Und wir werden uns verstärkt darauf fokussieren, die immer größere Nachfrage nach elektrifizierten Antriebssystemen sowie nach alternativen Kraftstoffen und Energiequellen wie Gas, Hybrid und Elektro zu bedienen. Mit unserem Green- und High-Tech-Programm geben wir zukunftsweisende Antworten auf die wachsenden Herausforderungen der Mobilitäts- und der Energiewende. 

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In wie fern?
Die Emissionsregelungen werden für alle Verkehrsträger zunehmend anspruchsvoller – von Schiffen über Lkw bis hin zu Zügen. Dafür liefern wir nicht nur die passenden Lösungen, sondernhaben zuletzt sogar neue Standards im Markt gesetzt, u.a. mit den ersten mobilen Gasmotoren der MTU-Baureihe 4000, die so sauber sind, dass sie im Wattenmeer laufen können. Ab 2020 bieten wir integrierte MTU-Hybrid-Schiffsantriebe für Yachten, Arbeitsschiffe, Fähren und Patrouillenboote an. Unsere MTU Hybrid-Power Packs verbinden die Vorzüge von Batterie- und Dieselzügen. Das bedeutet: geringerer Lärm, weniger Kraftstoffverbrauch, bessere Beschleunigung und niedrigere Emissionen. 

Welchen Beitrag kann Rolls-Royce Power Systems zum Gelingen der Energiewende leisten?
Durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien steigt die witterungsbedingte Fluktuation im Stromnetz. Um jederzeit Versorgungssicherheit zu gewährleisten, muss der Netzausbau massiv vorangetrieben werden. Der hinkt aber den Plänen weit hinter . Deshalb gibt es ein steigendes Bedürfnis nach einer zuverlässigen, dezentralen, dabei kostengünstigen und nachhaltigen Stromversorgung. Dafür bieten wir mit Microgrids schon heute die passende Lösung. Microgrids sind komplexe, intelligent gesteuerte Energiesysteme, die viele Energiequellen nutzen und miteinander vernetzen – Photovoltaik, Windkraft, Wasser, Biomasse, Diesel, Gas, Speicher. Sie können sowohl netzgebunden als auch netzunabhängig betrieben werden und sind u.a. optimal zur Versorgung von Industrieunternehmen oder Kommunen geeignet. Ab Herbst können sich unsere Kunden in einer Pilotanlage in Friedrichshafen ein genaues Bild davon machen. 



Der Inhalt der Beiträge entspricht dem Stand zum jeweiligen Erscheinungsdatum. Sie werden nicht aktualisiert. Weitergehende Entwicklungen sind deshalb nicht berücksichtigt.

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